LOKSTOFF! nimmt sich die Freiheit, dort zu spielen, wo das Leben ist!

Unsere Philosophie

Jedes Nachdenken über das Thema des öffentlichen Raums muss bei dem Werk des amerikanischen Soziologen Richard Sennett "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität" ansetzen.

Die Horizontalspannung
Als "Horizontalspannung" bezeichnen wir die Innen-Außen-Spannung zwischen Privatraum und öffentlichem Raum. Wir gehen davon aus, dass eine lebensfähige und lebenswerte städtische Gemeinschaft und Kultur nur auf dem Gleichgewicht dieser Räume beruhen kann. Wenn die Balance zwischen Privatheit und Öffentlichkeit nicht mehr stimmt, und die Menschen sich in den Privatraum zurückziehen, führt dies zu einer "Rückkehr ins Stammesleben", einem Auseinanderdriften der Gesellschaft in eine Vielzahl von geschlossenen Gesellschaften, die keinerlei Begegnungsraum mehr verbindet. Der Fremde außerhalb der bekannten Sphäre wird damit potenziell zur Projektionsfläche von Ängsten und Phantasien.

Die Vertikalspannung
Das von Peter Sloterdijk in seinem Buch "Du musst dein Leben ändern" entwickelte Konzept der "Vertikalspannung" beschreibt Zustände, in denen Individuen sich unter einen hohen Anspruch stellen und durch Übung aktiv daran arbeiten, zu wachsen.

Der Körper der Stadt
Michel Foucault beschreibt in "Der utopische Körper", dass die Vorstellung meines Körpers als einer mir wahrnehmbaren Ganzheit die eigentliche Utopie, also unvorstellbar ist. Da ich keinerlei Außensicht auf ihn habe, nehme ich meinen Körper nur in Fragmenten wahr. Das gleiche gilt für den Körper der Stadt. Sie ist für mich nur in Fragmenten (in einzelnen Stadtteilen) erfahrbar. Der Körper der Stadt in seiner Ganzheit ist nicht erfassbar. So, wie ich meinen Körper nur fragmentarisch ertasten und erfahren kann, muss der Körper der Stadt in seinen einzelnen Teilen erkundet und "abgetastet" werden.

Resümee
Die Horizontalspannung thematisiert das Innen und Außen im öffentliche Raum. Die Vertikalspannung thematisiert den Menschen in seinem Bemühen zu wachsen. Der Körper der Stadt ist die Sphäre, innerhalb derer sich Horizontalspannung und Vertikalspannung treffen.

Diese drei Aspekte lassen sich in dem einfachen Satz zusammenführen: Wo leben wir, wie leben wir, was wollen wir? Das "Wo" ist der Körper der Stadt als Ganzheit, die sich aus zahlreichen Orten als ihren Teilen zusammensetzt. Das "Wie" stellt sich in Innen-Außen-Verhältnissen dar. Das "Was" stellt sich in Wertebezogenen Oben-Unten-Verhältnissen dar. In unserer Arbeit geht es uns darum, diese drei Aspekte theatral erfahrbar zu machen.

(Werner Kolk, Dramaturg bei LOKSTOFF!)


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