Lokstoff! nimmt sich die Freiheit, dort zu spielen, wo das Leben ist!

Kompetenzschmiede Theater

Im November 2009 sind wir vom Leiter des Kreisjugendrings Rems-Murr e.V. Frank Baumeister mit der Aufgabe betreut worden, in den Städten Backnang, Schorndorf, Winnenden und Schwaikheim eine Theaterkompetenzschmiede für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu gestalten, um durch Theaterarbeit das Bewusstsein der Jugendlichen für Zivilcourage und Sozialkompetenzen zu schärfen.
Gemäß unserem Credo: LOKSTOFF! Theater im öffentlichen Raum, bringen wir das Theater zu den Menschen und warten nicht, dass die Menschen zum Theater kommen. So arbeiten wir auch mit den Jugendlichen an öffentlichen Plätzen der jeweiligen Städte, wodurch sie unmittelbar mit den positiven Reaktionen der Passanten konfrontiert werden und erkennen, welche Wirkung Theater auf sie und ihr Leben haben könnte.
Skurile Dialoge des Improvisationstheaters, Gespräche und Szenen fordern nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die "Zuschauer", Passanten, Beteiligte und Neugierige auf, öffentlichen Raum humorvoll zu hinterfragen.
Durch das Spiel lernen die Jugendlichen, sich zu präsentieren, praktizieren Sprache, erweitern ihr Selbstwertgefühl und übernehmen Verantwortung für das Gruppengeschehen.
Sich mit Werten auseinandersetzen, Zivilcourage inszenieren oder gar heraus zu fordern, sich einfach öffentlichen darzustellen – dies alles wird mit den Jugendlichen spielerisch erarbeitet und wir sind immer wieder begeistert, mit welchem Elan und welcher Freude sie zu unseren wöchentlichen Treffen erscheinen.
Unser Ziel ist es, am Ende dieses Jahres aus einigen der erarbeiteten Szenen der verschiedenen Gruppen ein gemeinsames Stück zu machen, welches dann in allen Städten im öffentlichen Raum zu sehen sein wird.

Himmel über Stuttgart – Himmel über Istanbul

Im Herbst 2008 lernten wir Ösem Yula kennen, der als Stadtschreiber in Stuttgart zu Gast war und im Hauptbahnhof unsere Aufführung von Shakespeares Hamlet sah.
Begeistert von unserem Theater im öffentlichen Raum regte er eine gemeinsame Arbeit an und die Wertedisskussion unserer verschiedenen Kulturkreise war eröffnet. Durch unsere ebenfalls enge Verbindung zu Kerim Arpad vom Deutsch-Türkischem Forum e. V. knüpften wir Kontakt zu dem Instanbuler Ensemble Altidan Sonra.
Und so wurde Engel 1 – Melek 1 ein interkulturelles Projekt zwischen Stuttgart und Istanbul.
Die Schauspieler von Altidan Sonra beschäftigen sich mit demselben Thema: Wonach strebt der Mensch heute in Istanbul, was sind seine Ideale, Träume, Wünsche und Sehnsüchte?
Mit diesem Theaterprojekt hat Lokstoff! seine bisherige Auseinandersetzung im und mit dem öffentlichen Raum erweitert. Durch den Austausch mit Künstlern aus einem anderen kulturellen Kontext kann das eigene Verständnis vom bekannten Wertekanon reflektiert werden.
Der Soziologe Georg Simmel konstatierte bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts, dass die Stadt als Möglichkeitsraum zu verstehen ist, der die Chance bietet, verschieden Lebensentwürfe zu realisieren. In den kulturell durchmischten Städten Stuttgart und Istanbul lässt sich die Vielfalt von Heterogenem und der Umgang mit dem kulturell Fremden für uns besonders gut diskutieren: Wie wird in dem jeweils anderen Stadtraum die transkulturelle Metapher des Engels verstanden? Welche Werte bestimmen das Leben der Menschen in Stuttgart im Unterschied zu denen in Istanbul? Was wird in Stuttgart im Unterschied zu Istanbul als kulturell fremdes erlebt und wie ist der Umgang damit gestaltet?
Lokstoff! stand und steht mit Altidan Sonra durch einen Webblog und Skype in beständiger Kommunikation. Wir bieten uns dadurch gegenseitig die Möglichkeit, an der Entwicklung des jeweils anderen Stückes aktiv teilzunehmen und diese durch Diskussionen zu bereichern. Melek 1 wird im März Premiere feiern.
Als krönenden Abschluss unserer Kooperation gibt es einen gemeinsamen Austausch mit jeweiligem Gastspiel. Beide Stücke werden an zwei Abenden nacheinander zu sehen sein. Anfang April reist Lokstoff! in die Türkei und spielt dort Himmel über Stuttgart- Engel 1, simultan übersetzt, wie immer im öffentlichen Raum, während Altidan Sonra seine Version von Himmel über Istanbul – Melek 1 in eigenen Theater aufführen wird.
Im Frühsommer dann ist Melek 1 zu Gast in Stuttgart, mit anschließender Diskussionsrunde, um der spannenden Wertefrage in einem breiteren Umfeld nachgehen zu können.

Wir verleihen der Mitte Flügel – eine Lokstoff Initiative zur Poetisierung der Stadt

Unsere Initiative: "Wir verleihen der Mitte Flügel" entstand während des Probenprozesses für unser Stück: Himmel über Stuttgart – Engel I in der Tübinger Straße. Angeregt durch die Neugierde und Anteilnahme der dortigen Anwohner, Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden an unserer theatralen Arbeit im öffentlichen Raum entwickelten wir die Idee, durch gemeinsame Projekte und Aktionen Stuttgarts eher vernachlässigte Winkel der Mitte nachhaltig zu beleben und poetisieren. Das Projekt Kulturmeile war geboren.
Viele Arbeitstreffen haben inzwischen stattgefunden und wir erleben mit Freude, wie unter den Einzelhändlern, Anwohnern und Kulturschaffenden ein Gemeinschaftsgefühl und eine Identifikation für das Viertel entsteht.
Unser Projekt: "Es ist wie es scheint – Engel II", eine nächtliche Reise durch das Gerberviertel war nur der Beginn der konkreten Umsetzung erster Ideen.
Verschiedene Einzelhändler haben bereits die von uns entworfenen "Engelmännchen" mit dem Slogan: Wir verleihen der Mitte Flügel auf ihre Schaufenster kleben lassen, als gemeinsame Bildsprache zur offensichtlichen Identifikation mit ihrem Viertel.
Veranstaltungen im Delphi Kino zur Historie des Gerberviertels werden folgen.
Eine gemeinsame Website, auf der sich Anwohner, Händler und Kultur verlinken, Geschichte und Geschichten erzählt werden, Stolpersteine ihren Platz haben und eine virtuelle Schnitzeljagd stattfindet, ist im Aufbau begriffen. Eine Facebook Gruppe "Wir verleihen der Mitte Flügel" mit Informationen über unsere Aktivitäten ist bereits vorhanden.
So genannte "Hörzelte" mit Musik und Ausschnitten aus Produktionen der vielen Kulturschaffenden in Stuttgarts Mitte sind während der Großbaustellen im Quartier S geplant, mit denen Oasen der Ruhe inmitten des Lärms der Stadt geschaffen werden.
Die "längste Tafel der Mitte", ein gemeinsames Sommerfest mit unterschiedlichsten Darbietungen aller Beteiligten wird organisiert.
Eine Frühsportgruppe trifft sich zwei Mal pro Woche im Tübinger Carre.
Ein Hofkonzert mit Rene Giessen ist in Planung.
Und last but not least haben wir bereits mit einer weiteren Aktion von uns "Wie Engel wohnen – Engel III", Passanten auf der Tübinger Strasse einen spontanen Einblick in die ermüdende Arbeit unserer Engel ermöglicht, als diese versuchten, ihren wohlverdienten Feierabend im Wohnzimmer von E&H Mayer zu genießen.
Lokstoff! versteht sich als Motor der Initiative: "Wir verleihen der Mitte Flügel", jedoch nicht als die Initiative selbst und wir sind mehr als erfreut über die offenen Türen, die Begeisterung, das große Interesse und die unglaubliche Motivation der Gerberviertler, die wir bei unseren Treffen erfahren.

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